Klettern am Falkenstein

Klettergebiet Falkenstein bei Tambach-Dietharz

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Klettern am Falkenstein bei Tambach-Dietharz

Allgemeines zum Falkenstein

Bevor wir euch das Klettern am Falkenstein in Tambach-Dietharz ein wenig näher bringen, möchten wir rückblickend zunächst eine kleine Anekdote zum Besten geben. Vor einigen Jahren war das 96 Meter hohe, freistehende Felsmassiv mitten in Thüringen eines der ersten Klettergebiete die wir besucht haben. Noch ein wenig grün hinter den Ohren war die Vorbereitung auch ein wenig unstrukturiert. Nach dem wir die Unterkunft gebucht und uns den Anfahrtsweg sowie die Parkmöglichkeiten angeschaut haben, ging es an die “Detailplanung“ für den ersten Klettertag. Schnell haben wir im Internet mit dem “Schusterweg“ eine Mehrseillängentour gefunden, die wir unbedingt erklimmen wollten. Voller Freude haben wir die Seillängen geplant und uns tagelang auf die Umsetzung gefreut. Als es dann endlich soweit war und wir im Auto Richtung Falkenstein saßen, konnten wir es kaum erwarten in die Route zu steigen. Am Parkplatz angekommen, musste wir dann feststellen, dass uns zunächst eine lange Wanderung zum Fels bevor stand. Dazu aber später noch mehr. Als wir dann schließlich vor dem durchaus imposanten Massiv standen, welches tatsächlich erst zusehen ist wenn man unmittelbar davor steht, ging die Suche los. Doch unsere Route war einfach nicht zu finden. Ein kurzer Besuch beim netten Herrn in der Bergwachthütte, die direkt vor Ort ist, sollte Abhilfe schaffen. Voller Überzeugung erläuterten wir unseren Plan, den laut Internet sehr bekannten “Schusterweg“ zu bezwingen. Doch alles was uns neben fragenden Blicken entgegnet wurde, war ein “Hier gibt es keinen Schusterweg“. Recherchen am Abend ergaben dann, dass es die besagte Route wirklich gibt… Nur leider am Falkenstein in Bayern. Die ganze Planung war somit für die Katz. Aber ein richtiger Kletterer lässt sich von so was natürlich nicht entmutigen. Wir versuchten das beste aus der Situation zu machen. Und genau das Taten wir. Der Aufenthalt wurde zu einem der schönsten unserer bisherigen Klettertrips.

Unterkünfte für euren Falkenstein-Trip

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Unsere Empfehlung - Kletterführer Thüringen

In diesem Zusammenhang möchten wir euch diesen Kletterführer ans Herz legen. Er zeigt den Großteil aller Routen am Falkenstein. Lediglich die ganz neu erschlossenen Routen sind noch nicht enthalten, das sind aber nur sehr wenige. Ansonsten ein wie wir finden sehr empfehlenswerter Kletterführer.

SteinReich: Kletterführer Thüringen
  • 416 Seiten - 06.12.2017 (Veröffentlichungsdatum) - Geoquest (Herausgeber)

GPS-Koordinaten 

Parkmöglichkeit: 50.784894, 10.635472

Falkenstein: 50.745842, 10.643415

Bergwachthütte: 50.746876, 10.641955

Lage, Unterkünfte und Umfeld

Die Lage

Den Falkenstein findet ihr südlich der kleinen Stadt Tambach Dietharz im Schmalwassergrund. Mit rund 96 Metern Höhe ist er das größte, freistehende Felsmassiv der Region. Kein Wunder also, dass es irgendwann auch die Kletterer hier her verschlagen hat. Unweit des südlichsten Zipfels der Schmalwasser Talsperre könnt ihr eins mit der Natur werden und eurem Klettertrieb freien Lauf lassen. Soweit das Auge reicht dominieren Bäume, Felsen und Wiesen das Gesamtbild. Die Farbe Grün ist hier allgegenwärtig. Einzigst die Bergwachthütte sowie ein weiteres Häuschen deuten hier auf andere Menschen hin. Doch trotz dem dieser Kletterspot in jedem Fall einen Besuch wert ist, sollte eines bei der Planung nicht außer acht gelassen werden. Da sich der Falkenstein inmitten eines Naturschutzgebietes befindet, ist Privatpersonen die Einfahrt mit dem Auto strengstens untersagt. Dank einer Schranke ist die Einfahrt auch nicht möglich. Der nächstgelegene Parkplatz, ist rund 5 Kilometer entfernt. Um euch ganz dem Klettern hingeben zu können müsst ihr also erst noch einen knapp 90 minütigen Fußmarsch auf euch nehmen. Dieser führt entlang der Talsperre und dürfte für Naturliebhaber ein Augenschmaus sein. Doch um nicht unnötige Meter mehr zu laufen, solltet ihr genau auf die Beschilderung achten. Wir sprechen hier zwar nur von einer Differenz von 400 Metern, doch die machen sich nach einigen Tage durchaus bemerkbar. Wir können euch aber nur nahelegen, euch davon nicht abschrecken zu lassen. Denn das Klettern am Falkenstein entlohnt euch für die aufgenommenen Strapazen in jeder Hinsicht.

In Aktion

Unterkünfte und Übernachtungsmöglichkeiten

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Außer einem kleinen Häuschen, das scheinbar nur privat vermietet wird, ist im direkten Umkreis des Falkensteins leider absolut kein Dach über dem Kopf zu finden. Den langen Zustieg könnt ihr mit einer Übernachtung direkt am Fels also nicht umgehen. Gemütlich einquartieren könnt ihr euch dann eher in Unterkünften des kleinen Örtchens Tambach-Dietharz. Von dort habt ihr es zumindest bis zum empfohlenen Parkplatz nicht weit und könnt so frühestmöglich in den Tag starten. Mit einer Anfahrtszeit von unter 10 Minuten und einem guten Komfort eigenen sich als Anlaufpunkte mitunter das Hotel Alte Schule, das Gasthaus zum Bären sowie die „Schöne ruhige Ferienwohnung“. Hier werden euch jeweils gemütliche Betten und ein eigenes Badezimmer geboten. Kommt ihr mit dem Nötigsten aus, könnt ihr euch in knapp 7 Kilometern Entfernung auf dem Campingplatz Georgental breit machen. Dort erwartet euch ein gängiger Standard. Ist der Mittelweg die Ideallösung, findet ihr in einer Distanz von 2 Kilometern noch die Jugendherberge Tambach-Dietharz. Gesondert erwähnen möchten wir an dieser Stelle aber noch das Ferienhaus Monte Arturio. Es befindet sich auf der Zufahrtsstraße zum Falkenstein und hat direkt vor der Haustür noch eine eigene, gleichnamige Kletterwand. Wer also nach einem langen Klettertag noch immer nicht genug hat, kann sich hier noch richtig auspowern. Die Schwierigkeitsgrade lieben hier aber zwischen dem 7. und 9. Grad UIAA.

 

Gipfelkreuz

Das Umfeld

Wie wir in der Rubrik „Lage“ schon erläutert haben, befindet sich dieses beeindruckende Klettergebiet im wahrsten Sinne des Wortes fernab der Zivilisation. Wenn ihr also am gern Falkenstein klettern möchtet, solltet ihr euch vor dem langen Marsch zum Fels definitiv vergewissern, ob alles eingepackt wurde. Stellt ihr erst vor Ort fest, das zum Beispiel eure Verpflegung vergessen wurde, gibt es eigentlich kein Zurück mehr. Weit und breit gibt es nichts außer der Natur. Mal eben mehrere Kilometer zurück laufen, ist hier wirklich nicht empfehlenswert. Solltet ihr vor oder nach dem Klettertrip irgendetwas benötigen, ist dies aber kein Problem. In Tambach-Dietharz findet ihr alles was ihr braucht. Für euren Einkauf findet ihr dort mehrere Supermärkte und für die Kulinariker unter euch sind auch die Imbissbuden, Cafes oder Restaurants nicht weit. Alles ist dabei mit dem Auto gut zu erreichen.

Hilfreiches in der Umgebung (ausgehend vom Parkplatz)

Supermarkt

2,3 km

5 Minuten

Restaurant

2,4 km

6 Minuten

Krankenhaus

14,8 km

7 Minuten

Polizei

2,7 km

6 Minuten

grüne Felswand

Die Sektoren am Falkenstein

Der Falkenstein im Thüringer Wald ist wie bereits erwähnt ein freistehendes Felsmassiv. Die Felshöhe beläuft sich zwischen 30 und fast 100 Metern. Anders als in anderen Klettergebieten lässt sich dieses hier weniger in Sektoren sondern mehr in verschiedene Himmelsrichtungen unterteilen. Ihr könnt euch an Routen zwischen dem 3. Und 10. Schwierigkeitsgrad UIAA austoben und als Belohnung auf dem Gipfel einen sagenhaften Ausblick genießen. Ihr solltet euch aber bewusst darüber sein, dass die meisten Routen ab dem 7. Grad UIAA zu finden sind. Ein gewisses Niveau sowie ein wenig Erfahrung sollten bereits vorhanden sein. Da der höchste Punkt fast 100 Meter aus dem Boden ragt, dürft ihr euch dann aber auf zahlreiche Mehrseillängentouren freuen. Der Zustieg zu den einzelnen Bereichen ist dank gut begehbaren Wegen und Trampelpfaden in wenigen Minuten ohne größere Probleme möglich.

 

Südwestseite

Die Südwest Seite am Falkenstein hält für euch eine ungefähr 80 Meter hohe Felswand bereit. In ihr sind die meisten Routen in verschiedensten Schwierigkeitsgraden eingebohrt. Da ihr hier ohnehin vorbei kommt, solltet ihr definitiv die Zeit nehmen um einige Routen zu klettern. Fast schon ein Muss ist der "Falkensteiner Riss". Die Route im 5. Grad UIAA ist zwar spielend zu meistern, sollte aber selbst den Erfahrenen unter euch noch ein Menge Spaß bereiten. Euch erwarten Verschneidungen, Kanten und natürlich ein schöner Riss. Über die Tatsache, dass der Fels hier und da ein wenig abgegriffen ist, solltet ihr ein wenig hinweg sehen. Ein weiterer Hit ist die “Expedition ins Bierreich“. Der 7. Schwierigkeitsgrad UIAA ist hier zwar gut zu meistern, doch der Fakt, dass es in der gesamte Route nur eine Handvoll Bohrhaken gibt, mach sie unweigerlich „interessant“.

Südseite

Mit circa 30 Metern Wandhöhe ist die Südseite der mit Abstand niedrigste Bereich des Falkensteins. Mit den Schwierigkeitsgraden verhält es sich in diesem “Sektor“ hingegen genau umgekehrt. Um hier wirklich auf seine Kosten zu kommen, sollte mindestens der 8. Grad UIAA sicher beherrscht werden. Selbst das ist dann aber noch keine Garantie dafür, dass ihr alles schaffen werdet. Da ein Großteil der Routen im 8. Und 9. Grad UIAA zu finden ist, werden euch einige Routen ziemlich sicher an eure Grenzen treiben. Für die Besten unter euch kann an der Südseite auch der „Bergweg“ geklettert werden. Hierbei handelt es sich um die schwierigste Route am Falkenstein. Ihr wird der 10. Grad UIAA zugeschrieben. Als weitere Highlights sind Klassiker wie "Newtons Vermächtnis" 8-,  "Esperanto" 9- oder der "Ostwandüberhang" 9 zu nennen.

Westseite

Mit fast 100 Metern Höhe ist die Felswand der Westseite die höchste und zugleich imposanteste am Falkenstein. Steht man vor ihr, gerät der eine oder andere schnell mal ins schwelgen. Mit einigen wenigen Ausnahmen bleibt das Klettern hier aber eher den “Könnern“ vorbehalten. Routen im unteren Schwierigkeitsgrad werdet ihr hier vergebens suchen. Als eine der leichteren aber dennoch auch schönsten Routen ist die “Direkte Westwand“ zu nennen. Im 7. Schwierigkeitsgrad und vier Seillängen ist sie trotz knackiger Schlüsselstelle gut zu erklimmen.

Die Absicherung am Falkenstein

Über die Absicherung am Falkenstein lässt sich eigentlich keine pauschale Aussage treffen. In Summe ist zwar überall eine Vielzahl von Bohrhaken angebracht, doch die Anzahl sowie die Abstände schwanken von Route zu Route teilweise ganz extrem. Unserer Empfindung nach waren die schweren Routen mit echt vielen Bolts versehen. Je leichter es wurde, desto geringer wurde das Aufkommen. Seid ihr also noch ein wenig unsicherer im Vorstieg und habt lieber alle 2 – 3 Meter eine Sicherung, können wir hier leider keine Empfehlung aussprechen. Des Weiteren solltet ihr berücksichtigen, das phasenweise noch alte Haken vorhanden sind. Durchaus positiv zu erwähnen sind die vielen Ringe auf dem Gipfel. Diese ermöglichen dass weitestgehend freie bewegen auf der Gipfelplattform sowie den sicheren Abstieg zu Boden. An einer speziellen Abseilstelle könnt ihr euch auf einen 28 Meter langen, freihängenden Abstieg freuen.

Bergwachhütte

Unser Fazit

Der Falkenstein im Thüringer Wald ist als wahre Perle der Natur zu betrachten. Uns hat er während unseres Aufenthalts mehr geboten, als wir uns im Vorfeld vorgestellt haben. In idyllischer Umgebung und einer unvergleichlichen Ruhe konnten wir unserem Klettertrieb nachgehen. In Erinnerung bleibt uns dieser Ort aber vor allem wegen unserer ersten Gipfelbesteigung, die mit einem Eintrag ins Gipfelbuch gekrönt wurde. Vergleichbares hatten wir zum damaligen Zeitpunkt noch nicht erlebt.

Auch wenn wir der Meinung sind, dass ihr unbedingt mal hier gewesen sein solltet, können wir das Klettergebiet am Falkenstein nicht uneingeschränkt empfehlen. Dies ist auf lediglich zwei, dafür aber gravierende Negativaspekte zurückzuführen. Zum einen ist die lange Zustiegszeit zu nennen. Mit rund 90 Minuten wird euch ein enormer Teil des Tages geraubt. Seid ihr mehrere Tage hier, wird der Weg auch von Tag zu Tag nerviger.

Der andere Aspekt betrifft die Absicherung und ist eher für Einsteiger relevant. Denn die großen Hakenabstände bei leichten Routen werden den einen oder anderen vor ein Problem stellen. Entweder man überwindet die Angst oder tritt den Rückweg zu Boden an.

Trotz alle dem würden wir den Falkenstein immer wieder besuchen und können euch nur ans Herz legen, auch den Weg hierher zu finde.