Klettern im Klettergebiet El Chorro

Klettergebiet El Chorro in Spanien

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Das wohl bekannteste Klettergebiet in Spanien ist der El Chorro. Unweit ist es nördlich der Stadt Malaga zu finden. Das Besondere ist die große Vielfältigkeit dieses Kletterspots. Von tollen Plaisir Mehrseillängen bis zu knackigen Projekten gibt es alles. Wie ihr euch zurechtfindet und viele nützliche Tipps gibt es hier.

Klettern im Klettergebiet El Chorro in Spanien

Allgemeines zum Klettergebiet El Chorro

In den vergangenen Jahren ist es mehr und mehr zur Tradition geworden, dass wir in den schmuddeligen Wintermonaten zumindest für einige Tage die Winterflucht antreten. Nicht selten hat es uns dabei in die Top Klettergebiete Spaniens geführt. Neben der verhältnismäßig kurzen Flugzeit von knapp 3 Stunden, überzeugen vor allem die meist beeindruckende Natur sowie die nahezu durchweg guten Temperaturen. Beste Voraussetzungen also für einen wunderbaren, erlebnisreichen Kletterurlaub. Bis jetzt war eigentlich jeder getätigte Trip auf seine Art traumhaft, doch einer davon ist uns besonders in Erinnerung geblieben. Die Rede ist von dem wirklich fantastischen Klettergebiet El Chorro.

Glaister, M: Spain - El Chorro (Rockfax Climbing Guide...
  • Glaister, Mark (Autor)
  • 340 Seiten - 01.12.2018 (Veröffentlichungsdatum) - Rockfax Ltd (Herausgeber)

Unterkünfte am El Chorro

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Hohe Erwartungshaltung

Schon im Vorfeld haben wir uns eingehend über dieses umfassende Klettereldorado informiert und fast ausschließlich positive Berichte gefunden. Dass sich die gelesenen Vorschusslorbeeren dann in vollem Umfang bewahrheiten, hätten wir in dieser Form ehrliche gesagt nicht für möglich gehalten. Schon bei der Anfahrt sind die Felswände des Sierra de Huma in El Chorro deutlich zu erkennen. Als Kletterer wird einem hier eins ziemlich schnell bewusst, hier kann eines ausgiebig getan werden... klettern, klettern und nochmal klettern. Parallel zum Felsmassiv führt serpentinenartig ein Schotterweg entlang. Dieser ist für sich schon ein echtes Abenteuer. Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass ein Großteil des Weges aufgrund von Waldbrandgefahr über weite Strecken des Jahres gesperrt ist. In den Wintermonaten, in denen es nicht so brühend heiß ist, scheint jedoch ein Auge zugedrückt zu werden. Daher sind dann hier und da auch mal Autos zu finden.

Zu den Routen

Die Einstiege zu den verschiedenen Bereichen des Klettergebietes El Chorro sind grob in jeder zweiten Kurve zu finden. Über schmale Trampelpfade gelangt ihr dann bis direkt vor die Felswand. Was euch dann erwartet, sind Kletterrouten fast jeder Art. Bis zu 300 Meter lange Mehrseillängen Routen, kurze knackige Cave-Routen und sogar einige alpine Touren. Da sich all dies inmitten der Natur befindet, dürft ihr euch nicht wundern, wenn euch mitten in der Route mal eine Bergziege anlächelt ;). Alles in Allem habt ihr an den Felswänden des Sierra de Huma in El Chorro wirklich ideale Voraussetzungen.

Lage, Unterkünfte und Umfeld

Die Lage

Das riesige Klettergebiet, beziehungsweise dessen namensgebende 100 Seelendorf El Chorro, ist rund 60 Kilometer nördlich von Málaga zu finden. Zielflughafen sollte daher auch entsprechend der Flughafen Málaga sein. Von dort gibt es dann theoretisch zwei Möglichkeiten, um nach El Chorro zu gelangen. Zum einen könnt ihr die Bahn nutzen und zum anderen ein Auto mieten. Wenn ihr uns fragt, ist die Bahn aber definitiv keine gute Alternative. Allein die Tatsache, dass der Bahnhof von El Chorro nur ein Mal pro Tag angefahren wird, spricht schon klar dagegen. Erschwerend kommt dann aber noch die Weitläufigkeit des Klettergebietes hinzu. Je nach Unterkunft würde ein Fußmarsch zu den Felswänden des Sierra de Huma sowie das Wechseln zwischen den Sektoren enorm viel Zeit in Anspruch nehmen. Daher können wir euch wirklich nur ans Herz legen, besorgt euch ein Mietwagen. In der Nebensaison werden euch diese auch regelrecht hinterher geschmissen.

Befindet ihr euch dann endlich an den Felswänden des Kletterspots, dürft ihr euch über die idyllische Lage inmitten der Natur freuen. In nahezu allen Sektoren seid ihr fast ausnahmslos von Bäumen und Felsen umgeben. Es gibt wenig bis keine störenden Faktoren, die an die lebhafte und teils stressige Zivilisation erinnern. Ihr seid hier in El Chorro als durchaus richtig, wenn ihr dem Alltag entfliehen wollt und dabei noch beste Klettervoraussetzungen haben möchtet. Hier her zu kommen ist als Kletterer fast schon ein Muss.

Unterkünfte und Übernachtungsmöglichkeiten

Führen wir uns rein die Größe El Chorro‘s vor Augen, drängt sich der Verdacht auf, dass hier extrem lang nach Übernachtungsmöglichkeiten gesucht werden muss. Doch tatsächlich trügt hier der Schein erheblich. Die Fülle an Möglichkeiten lässt sogar fast schon vermuten, dass es hier mehr Unterkünfte als Einwohner gibt. Für uns Kletterer ist das natürlich ideal. Zumal viele der Anlaufpunkte in unmittelbarer zum Klettergebiet El Chorro sind. Was ihr jedoch wissen solltet, ist das hier fast ausnahmslos Ferienhäuser und Fincas zur Verfügung stehen. Ihr müsst euch also größtenteils auch selbst versorgen.

Gelegentlich haben wir direkt an den Felswänden auch Kletterer in ihren Bullys übernachten sehen. Dass dabei auf jeden Lebensstandard verzichtet werden muss, versteht sich verständlicherweise von selbst. Duschen, Warm-Wasser oder Elektrizität... alles Fehlanzeige. Darüber hinaus wird diese Art des Campens, genau wie Wild-Campen im Zelt äußerst ungern gesehen. Ob diesbezüglich Kontrollen stattfinden ist uns jedoch nicht bekannt. Entscheidet ihr euch für ein festes Dach über dem Kopf, seid jedenfalls auf der sicheren Seite.

Da der Standard der Unterkünfte überwiegend einheitlich ist, könnt ihr euch fast bedenkenlos ein Objekt aussuchen. Große Hilfe sind dabei die Rezensionen anderer Besucher. Im Folgenden findet ihr schon mal eine kleine Auflistung von Ferienhäusern nahe dem Klettergebiet El Chorro.

Das Umfeld

Ist euer Klettertrip ins Klettergebiet El Chorro beschlossene Sache, sollte euch eines noch bewusst sein. Das kleine Dörfchen dort ist in jeder Hinsicht minimalistisch ausgestattet. Einkaufsmöglichkeiten sowie kulinarische Anlaufpunkte lassen sich fast an einer Hand abzählen. Doch das nötigste sollte eigentlich zu finden sein. Nicht ganz so erfreulich ist aber die Tatsache, dass das nächste Krankenhaus über eine Stunde entfernt ist. Klar hoffen wir, dass keiner von euch darauf zugreifen muss. Doch die Information ist in unseren Augen schon recht wichtig.

Neben dem für uns im Focus stehenden Kletterspot El Chorros möchten wir euch im Umfeld noch eine weitere Attraktion ans Herz legen. Den Caminito del Rey (spanisch: Königspfad). Hierbei handelt es sich um einen drei Kilometer langen Wanderweg, der eher als Klettersteig anzusehen ist. Einige Jahre galt dieser als gefährlichster der Welt. Ihr bewegt euch dort teilweise in 100 Metern Höhe auf einem extrem schmalen Pfad. Dabei durchquert ihr noch zwei knapp 200 Meter tiefe Schluchten. Auch wenn das Klettern für euch im Vordergrund steht, sollte der Caminito del Rey in El Chorro auf der ToDo Liste stehen.

Die Sektoren in El Chorro

Das Kletterareal am Sierra de Huma in El Chorro ist dermaßen groß, dass sich die vielen Sektoren nicht einmal an zwei Händen abzählen lassen. Insgesamt findet ihr dort 26 eindrucksvolle Sektoren mit circa 2.000 Routen. Wie ihr seht, ein Menge von Kletterwegen, die sich nicht in wenigen Tagen bewältigen lässt. Was ihr also unbedingt im Gepäck haben solltet ist ausreichend Zeit. Nur so ist es realistisch, in diesem Klettergebiet möglichst viele Ecken zu erkunden. Unserer Meinung nach lässt es sich in vielen Sektoren gut und gerne zwei bis drei Tage aushalten. Im Wesentlichen sind daran nicht zuletzt die vielen verschiedenen Kletterarten. Von einer 11-Seillängen-Plaisirtour über Plattenkletterei bis hin zu Herausforderungen im Überhang gibt es eigentlich alles was wir Kletterer uns wünschen. Da die einzelnen Kletterfelsen quasi um El Chorro verstreut sind, variieren auch die Zustiegszeiten ein wenig. Teils könnt ihr bis vor die Wand fahren und teils müsste ihr einen bis zu 60 Minütigen Marsch auf euch nehmen. Als Randnotiz möchten wir noch erwähnen, dass in Großteil des Klettergebietes ganztags in der Sonne liegt.

Die Absicherung im Klettergebiet El Chorro

Wie sich einige von euch sicher denken können, ist die Absicherung im Klettergebiet El Chorro allein wegen der Größe kaum einheitlich zu bewerten. Bei unserem Aufenthalt haben wir festgestellt, dass diese teils gravierend variieren kann. Während die eine Route noch durch hervorragende Bohrhakenabstände von maximal 3-4 Metern besticht, weißt die andere Route plötzlich keine einzige Zwischensicherung mehr auf. Selbst in ein und derselben Mehrseillängentour haben wir in den verschiedenen Seillängen erhebliche Unterschiede vorgefunden. Grade Anfänger sollten sich von Routen im 3. oder 4. Schwierigkeitsgrad nicht blenden lassen. Es sollte unbedingt ein gewisses Maß an Erfahrung mitgebracht werden. Grade der Umgang mit Klemmkeilen, Bandschlingen und ähnlichem sollte für das Legen von Zwischensicherungen bei einem Besuch im Klettergebiet El Chorro sicher beherrscht werden.

Der Abstieg

Bei den von uns gekletterten Routen und Mehrseillängentouren haben wir immer Bohrhaken beziehungsweise Ketten an den Standplätzen vorgefunden. Ein sicherer Abstieg über die Felswand selbst ist also grundsätzlich gegeben. Worauf wir im Punkto Abstieg noch hinweisen möchten, ist der immer wieder angepriesene "Weg" bei den Top-Out Routen im Sektor Escalera Arabe. Viele Kletterführer und Foreneinträge sprechen von einem einfachen Wanderweg vom "Gipfel" zurück runter an den Routen Start. In unseren Augen ist hier jedoch äußerste Vorsicht zu genießen. Der Ausstieg zum Beispiel aus der Route Rogelio ist zunächst noch einfach und klar ersichtlich. Anschließend fängt das Suchen aber mehr oder weniger schon an. Ihr blickt einen steilen Hang hinunter, der voll von Geröll ist. Jeder Schritt sollte hier gut durchdacht sein. Um nicht vor einem tiefen Abgrund zu stehen, solltet ich euch rechts halten. Dort gelangt ihr dann zu einem "Durchgang" vor einer kleinen Felskuppe. Von dort geht es dann in Schlangenlinien weiter den Berg hinab, bis ihr tatsächlich auf einen klar ersichtlichen Weg gelangt, der euch zurück zu den Einstiegen führt.

Unser Fazit

Unserer Auffassung nach gibt es eigentlich nichts, was gegen das Klettern in El Chorro spricht. Zu positiv waren all die Eindrücke, die wir während unseres Aufenthalts sammeln konnten. Das Umfeld ist idyllisch, die Routen sind facettenreich und bei der Absicherung gibt es nichts zu beanstanden. Wir möchten es uns daher nicht nehmen lassen, den guten Ruf des Klettergebietes El Chorro in vollen Zügen zu bestätigen. Es taucht nicht umsonst in vielen Kletterführern als Top-Adresse des europäischen Klettersports auf.

Eine klare Empfehlung können wir euch vor allem für die Wintermonate aussprechen. Zumindest bei unserem zweiwöchigen Klettertrip, zwischen Dezember und Januar, waren die Sektoren an den meisten Tagen verhältnismäßig leer. Nur ein einziges Mal mussten wir beim Einstieg in eine Mehrseillängentour tatsächlich eine knappe dreiviertel Stunde Warteizeit in Kauf nehmen. Seid ihr da nicht bereit zu, ist das auch kein Problem. Ihr könnt euch dann an einer von ungefähr 2.000 anderen Routen austoben. Da diese auch in ihrer Art eine Menge bereithalten, wird euch dabei auch sicher nicht langweilig.

Was wir als einzigen Negativpunkt aufführen könnten, ist die phasenweise lange Zustiegszeit am Hauptmassiv. Hier muss das Auto speziell in den heißen Monaten relativ weit weg geparkt werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass sich die Felswände in überwiegend dicht bewaldetem Gebiet befinden und daher erhöhte Waldbrandgefahr besteht. Hier sollte aber eigentlich jeder Kletterer Verständnis für haben. Seht auch an dieser Stelle einfach den positiven Nebeneffekt ;)... Ihr könnt vor dem Klettern noch gemütlich in der Natur schlendern.